Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten: Delegiertenversammlung wählt neuen Vorstand

Drittgrößte Gewerkschaft der Region mit über 3.840 Mitgliedern weiter im Aufwind

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Delegierte der NGG Region TrierBild 2 von 8
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James Marsh, Geschäftsführer DGB TrierBild 4 von 8
Uwe Hildebrandt, Landesbezirksvorsitzender NGG TrierBild 5 von 8
Gerd Willems, Regionsvorsitzender NGG TrierBild 6 von 8
Klaus Schu, Geschäftsführer NGG Region TrierBild 7 von 8
Jerome Frantz, NGG GewerkschaftssekretärBild 8 von 8

 

Am 21. April 2018 trafen sich die Mitglieder der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Region Trier zur 18. Delegiertenversammlung im ERA Konferenz Zentrum in Heiligkreuz. Die Delegiertenversammlung ist das höchste beschlussfassende Organ der NGG auf regionaler Ebene. Nach der Eröffnung des damals noch amtierenden Regionsvorsitzenden Gregor Hess sowie dem Grußwort des DGB-Geschäftsführers James Marsh richtete der Landesbezirksvorsitzende der NGG Südwest, Uwe Hildebrandt, das Wort an die Delegierten. Er fordert, dass das Thema Soziale Gerechtigkeit wieder Einzug in die Regierungspolitik hält. "Denn so lange Reichtum und Unternehmensgewinne nicht konsequent besteuert werden, so lange könne man Armut in Deutschland auch nicht konsequent bekämpfen", mahnte Hildebrandt.

Im Vordergrund stand unter anderem die Neuwahl des Regionsvorstandes. Der bisherige Vorsitzende Gregor Hess, Betriebsratsvorsitzender von Dr. Oetker in Wittlich, stellte sich nur noch als Beisitzer zur Wahl. Als neuer Vorsitzender nominiert war Gerd Willems, freigestelltes Betriebsratsmitglied beim Cigarettenhersteller JTI Trier. Als sein Stellvertreter wurde Andreas Clemens vorgeschlagen, seines Zeichens Betriebsratsvorsitzender des Tabakherstellers Heintz van Landewyck in Trier. Letztlich wurde der Vorstand der NGG Region Trier wie vorgeschlagen gewählt.

Des Weiteren stellte der Geschäftsführer der NGG Region Trier, Klaus Schu, den Delegierten den Geschäftsbericht vor und resümierte die Arbeit der letzten fünf Jahre: „Seit 2013 ist viel geschehen. Wir mussten mit Werksschließungen und Stellenabbau kämpfen, wie beim damals größten Berlinerproduzenten Deutschlands, Stauffenberg Brot in Daun. Andererseits konnten wir in der Tarifpolitik große Erfolge verbuchen. Die meisten unserer Mitglieder in der Region konnten in den letzten Jahren ordentliche Lohnzuwächse verbuchen“, erklärte Schu. „Außerdem konnten wir viele Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter erfolgreich in arbeits- und sozialrechtlichen Angelegenheiten vertreten“ so der Geschäftsführer weiter. Die gute Arbeit würde sich vor allem in der wachsenden Mitgliederzahl widerspiegeln. Mittlerweile vertrete die Gewerkschaft über 3840 Personen in der Region, Tendenz steigend.

Doch die kommenden Herausforderungen, so Schu, seien nicht minder groß. Als Verhandlungsführer kämpfe er für eine Erhöhung der Tarifentgelte und Ausbildungsvergütungen für das Gastgewerbe Rheinland-Pfalz: „Die Anzahl der Auszubildenden im Gastgewerbe ist laut DEHOGA in den vergangenen zehn Jahren um gut die Hälfte gesunken, was bei einer gleichzeitig steigenden Nachfrage an Übernachtungen einen akuten Fachkräftemangel bedeutet. Die Branche ist zum Umdenken angehalten, weswegen wir für die ohnehin zu niedrig bezahlten Menschen in der Gastronomie eine monatliche Entgeltsteigerung von 160 € fordern, für Auszubildende 100 € mehr pro Monat.“ Des Weiteren kämpfe man mit gleicher Vehemenz gegen den Versuch des DEHOGA, die täglich zulässige Höchstarbeitszeit von 10 Stunden aufzubrechen und Beschäftigte bis zu 12 oder 13 Stunden am Tag schuften zu lassen. Zum einen sei dies aus arbeitsmedizinischer Sicht höchst bedenklich, zum anderen würde dies die Berufe in der Gastronomie noch unattraktiver machen.

In 14 der von der NGG betreuten Betrieben in der Region wurden bereits neue Betriebsräte gewählt, zehn weitere würden noch bis Ende Mai folgen. Dass die im deutschen Recht verankerte betriebliche Mitbestimmung weiterhin nicht selbstverständlich ist, zeigten Konflikte wie bei TofuTown in Wiesbaum (Eifel). Seit Frühjahr 2017 versuchen dort Beschäftigte mit Hilfe der Gewerkschaft einen Betriebsrat zu gründen. Laut NGG bekämpft die Geschäftsführung diese Initiative jedoch mit allen Mitteln: „Trotz der großen Anzahl an Beschäftigten, die zu uns kamen und um Hilfe bei der Gründung eines Betriebsrates gebeten hatten, befinden wir uns nunmehr immer noch im Rechtsstreit. Der Arbeitgeber hat offen verkündet, dass das Unternehmen weder die Gewerkschaft, noch einen Betriebsrat brauche. Was er allerdings immer noch nicht begriffen zu haben scheint: Ökologisch und sozial sind zwei Seiten derselben Medaille!“, so der betreuende Gewerkschaftssekretär Jerome Frantz.

Zum Abschluss beschloss die Versammlung, einen Antrag an den im November stattfindenden Gewerkschaftstag der NGG zu stellen, wonach die NGG von der Politik die Reformierung des Gesetzes zur Allgemeinverbindlichkeitserklärung von Tarifverträgen fordern soll.