NGG und DGB gegen Werkverträge in der Fleischwirtschaft

Simon Fleisch Wittlich: Ein weißes unter vielen schwarzen Schafen?

„Nichts ist so schlecht, dass es nicht auch für etwas gut wäre!“ So würde der Trierer DGB-Geschäftsführer, James Marsh, die durch die aktuelle Pandemie endlich in die Öffentlichkeit gerückten Missstände in der Arbeitswelt umschreiben. „Pflege, Gastronomie, Handel, aber eben auch die Fleischwirtschaft leiden seit Jahren an akuten Missständen. In der Vergangenheit haben die Probleme der dort Beschäftigten aber selten viel Aufmerksamkeit bekommen. Das hat sich durch die Pandemie nun endlich geändert.“

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten in der Region Trier möchte genau diesen Rückenwind nun mitnehmen. Daher haben der NGG-Gewerkschaftssekretär Jerome Frantz und James Marsh heute Flugblätter an die vornehmlich osteuropäischen Werkarbeitnehmer bei einem der größten Schlachtbetriebe Deutschlands, Simon Fleisch in Wittlich, verteilt. Nach Aussage der NGG natürlich unter Einhaltung aller gebotenen Hygieneregeln.

„Wir prangern schon seit Jahren die prekären Arbeitsverhältnisse in der deutschen Fleischwirtschaft an. Auch wir haben bereits 2013 auf die nach unserer Ansicht unwürdigen Wohnbedingungen der Werkverträgler hingewiesen. Die Arbeitnehmer sind durch das Konstrukt des Werkvertrages oft nur Mitarbeiter zweiter oder dritter Klasse“, so Frantz. „Nach allem was man liest scheint sich Simon Fleisch dabei, zumindest was den Gesundheitsschutz im Betrieb angeht, zu einem weißen unter vielen schwarzen Schafen gewandelt zu haben, was zunächst zu begrüßen ist.“ Dennoch blieben DGB und NGG dabei, dass gerade die Geringverdiener und prekär Beschäftigten diejenigen sind, die am stärksten von der Pandemie und durch das Virus bedroht sind.

„Auch Simon Fleisch profitiert seit Jahren davon, die unternehmerische Verantwortung auf die osteuropäischen Subunternehmen ausgliedern zu können. Auch in Wittlich müssten Menschen schwerste körperliche Arbeit verrichten und erhalten dafür meist kaum mehr als den gesetzlichen Mindestlohn. Die unfaire Bezahlung, die Unterbringung in Massenunterkünften sowie weitere prekäre Arbeitsbedingungen tragen dazu bei, dass diese Menschen besonders leiden müssen. Wir als Gewerkschaf NGG begrüßen daher den Vorstoß des Arbeitsministers Heils sowie der restlichen Bundesregierung, in Zukunft Werkverträge in der Fleischindustrie zu verbieten,“ betont Gewerkschaftssekretär Frantz.

Ab 2021 sollen das Schlachten und die Verarbeitung von Fleisch nur noch von Beschäftigten des eigenen Betriebs erledigt werden dürfen. Die NGG hofft, dass die Beschäftigten sich in Zukunft eher trauen, sich gewerkschaftlich zu organisieren und Betriebsräte zu wählen. Darauf haben NGG und DGB mit Ihrer heutigen Flugblattaktion bei den Beschäftigten von Simon Fleisch hingewiesen. Nach Berechnung der Gewerkschaft sind die Drohungen aus der Fleischindustrie dabei massiv übertrieben. Man rechne durch eine fairere Bezahlung mit einer Preissteigerung von maximal 10 Cent pro Kilo Fleisch. Dies sei der Verbraucher sicherlich bereit zu zahlen, wenn man dafür den Beschäftigten ein auskömmliches Leben ermöglichen könne, so Frantz.