Gastgewerbe weiter tariflos

Seit März 2018 entziehen sich Arbeitgeber ihrer Verantwortung

Seit dem 1. März 2018 warten die Beschäftigten des rheinland-pfälzischen Hotel- und Gaststättengewerbes auf eine Entgelterhöhung. Ab diesem Zeitpunkt ist der Entgelttarifvertrag zwischen dem Arbeitgeberverband im Hotel- und Gaststättengewerbe Rheinland-Pfalz (DEHOGA) und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) gekündigt. Etliche Verhandlungsrunden, die teilweise von lautstarken Protesten der Beschäftigten der Branche begleitet wurden, haben bis jetzt zu keinem Ergebnis geführt.

 

Der DEHOGA hatte zuletzt nur für ausgewählte Tarifgruppen ein gerade akzeptables Angebot für eine Entgelterhöhung auf dem Niveau der anderen regionalen Tarifgebiete in der Branche gemacht. „Nach unseren Berechnungen sind das Entgeltsteigerungen von durchschnittlich 2,7 % für die gesamte Laufzeit von mehr als 4 Jahren. Einige Gruppen sollen gar nicht erhöht werden, so zum Beispiel die Einstiegsgruppe, die Bewertungsgruppe 1. Damit würden die Beschäftigten dort auf Mindestlohnniveau bleiben. Das ist weniger als in der Systemgastronomie, beispielsweise bei Mc Donalds“, erklärt Klaus Schu, Verhandlungsleiter der NGG-Tarifkommission für das Tarifgebiet.

 

„Die Entgelttarifrunde im Gastgewerbe wird zusätzlich dadurch belastet, dass der DEHOGA Rheinland-Pfalz das Ziel verfolgt, im Gastgewerbe in Rheinland-Pfalz Arbeitszeiten von 12 Stunden am Tag an bis zu 6 Tagen in der Woche einzuführen. Dafür will er natürlich den Manteltarifvertrag entsprechend ändern. Das ist mit der NGG nicht zu machen. Wir opfern nicht die Gesundheit der Beschäftigten der Branche auf dem Altar der Tarifpolitik“, fasst Verhandlungsleiter Schu die Position der NGG zusammen. „Statt die Arbeitsbedingungen immer weiter zu verschlechtern, benötigen wir dringend eine deutliche Aufwertung der Berufe im Gastgewerbe und eine angemessene Wertschätzung. Dass der DEHOGA völlig blind die Branche ins Abseits manövriert, ist ein hausgemachter Skandal!“

 

Die Gewerkschaft NGG setzt derweil weiter auf den Abschluss von Haustarifverträgen. Dazu der Verhandlungsleiter der NGG: „Haustarifverträge sind für die NGG nur die zweitbeste Lösung, aber derzeit die einzige Möglichkeit, den Beschäftigten zu ihrer verdienten Entgelterhöhung zu verhelfen. Zum 1. Juli 2019 sind beispielsweise die Entgelte für die Beschäftigten des Ferienparkbetreibers Landal GreenParks um 3 % angestiegen. Hier konnten wir eine Erhöhung vereinbaren, wie sie auch im übrigen Bundesgebiet üblich ist.“ Der Gewerkschafter rechnet damit, dass es in naher Zukunft zu weiteren Haustarifabschlüssen kommen wird.

 

 

Für Rückfragen steht Ihnen Klaus Schu, NGG Verhandlungsleiter, mobil unter 0175-9326805 und Alexander Münchow, NGG Landesbezirkssekretär, mobil unter 0175-2995353 gerne zur Verfügung.